Inhalt

Presseaussendung am 19. November 2020

Sonderbetreuungszeit: Familien haben Respekt verdient
UTL: Österreichische Plattform für Alleinerziehende (ÖPA) fordert Maßnahmen und eine Regierungskommunikation, die Familien in der Krise stärkt.


Wien, 19.11.2020: Der vorerst verkündete Rechtsanspruch auf Sonderbetreuungszeit im Falle eines Lockdown samt 100% Kostenübernahme durch den Bund gab zumindest einem Teil der Eltern eine Perspektive, wie sie die Kinderbetreuung im Falle von Schulschließungen schaffen können. Die wirren Informationen rund um den Rechtsanspruch der Sonderbetreuungszeit und Schulschließungen haben bei den Familien große Verunsicherung und Empörung ausgelöst. Die ohnehin massiven Begleitschäden werden dadurch nochmals verschärft und staatliche Bildungsverantwortung verstärkt auf die Familien abgewälzt. „Eltern fühlen sich verhöhnt. Sie brauchen momentan ihre ganze Kraft um das tägliche Leben zu schaffen. Wir fordern die Regierung auf, die Sonderbetreuungszeit wie versprochen umzusetzen. Sie ist verantwortlich für die zukünftige Generation Österreich.“ mahnt Evelyn Martin, pensionierte Lehrerin und Vorstandsvorsitzende der ÖPA.

DOWNLOAD


Lebensumstände von Alleinerziehenden missachtet
Fast 30%  Alleinerziehende geben 2019 bei einer Befragung an, dass ihre Kinder kein eigenes Zimmer besitzen und fast die Hälfte der Alleinerziehenden ist Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdet.  ÖPA-Erfahrungen zeigen, dass in Alleinerziehenden Haushalten Kinder bereits sehr früh viele Alltagsarbeiten übernehmen müssen, oftmals auf Kosten eigener Schul- und Ausbildung. Aussagen von Minister*innen wie Arbeitsplatz und Spielraum der Kinder zu trennen, Empfehlungen zu ergonomisch bestgestalteten Homeoffice-Plätzen oder ältere Geschwister sollen Jüngere beaufsichtigen bevor Sonderbetreuungszeit in Anspruch genommen wird, gehen an den Lebensrealitäten Alleinerziehender vorbei. „Es ist verantwortungslos, Familien in dieser Situation erneut auf ihre Eigenverantwortung zu verweisen, wenn sie aufgrund fehlender Rahmenbedingungen die Situation nicht bewältigen können. Dass die reale Situation vieler Familien nicht berücksichtigt wird, entspricht nicht den in der Öffentlichkeit geäußerten Beteuerungen der Regierung, alle Familienformen gleich zu behandeln“, beurteilt Evelyn Martin.

Alleinerziehende überbelastet und verzweifelt
Für Alleinerziehende bedeutet der erneute Lockdown eine Überbeanspruchung ihrer Ressourcen. Die Rückmeldungen aus den Mitgliederorganisationen der ÖPA zeigen eine enorme Mehrbelastung der Familien durch Covid 19 seit dem Frühjahr und nun einen neuen Höhepunkt. Die in der Öffentlichkeit positiv hervorgehobenen Maßnahmen wirken bei alleinstehenden Eltern nicht. Folgen sind zunehmend psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout bei Müttern und Vätern. Erkrankungen die letztlich auch die Zukunftschancen der Kinder schmälern. Präventive Maßnahmen zum Erhalt der Gesundheit, die hier Entlastung schaffen könnten wie etwa Kostenübernahmen zu Mutter-Kind-Kuren oder psychologische Behandlung auf Krankenschein als Maßnahmen fehlen. „Die Bundesregierung hatte seit dem Frühjahr Zeit, sich bessere Lösungen für Schule und Infrastruktur zu überlegen. Trotzdem wurden keine ausreichenden Vorbereitungen getroffen. Die wochenlangen Beteuerungen, dass es weder zu Lockdown noch Schulschließungen komme, waren mehr als kontraproduktiv. Die aktuelle Situation wirkt sich auf Alleinerziehende und ihre Kinder ganz besonders dramatisch aus.“, so Martin abschließend.

Diese Webseite verwendet Cookies um das Nutzererlebnis zu verbessern. Mit der Benützung dieser Website stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.