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Presseaussendung am 20. April 2020

Unterstützungsgelder kommen nicht an - Die Österreichische Plattform fordert eine Anpassung der Richtlinien an die Lebenssituationen von alleinerziehenden und getrennt lebenden Familien sowie sofortige Aufstockung der Hilfefonds

 

Wien, 20 April 2020 – Der Corona Familienhärtefonds lässt Alleinerziehende und getrennt lebende Eltern weitgehend leer ausgehen. Die Anknüpfung an die Familienbeihilfe ist als Kriterium für Alleinerziehende und getrennt lebende Familien nicht geeignet. Ausbleibende Unterhaltszahlungen werden nicht als Einkommensverluste gesehen. Getrennt lebende Eltern, die ihre Kinder genauso betreuen und durch Unterhaltleistung ihre Verantwortung für die Kinder übernehmen, sind vom Fonds ausgeschlossen. Die Kriterien sind an einer Vater-Mutter-Kind-Mittelstandsfamilie orientiert und gehen an der Lebensrealität der Alleinerziehenden vorbei. DOWNLOAD

Passende Kriterien schaffen
„Wir fürchten, dass viele der Alleinerziehenden weiter in die Armut abrutschen!“ klagt Evelyn Martin, Vorsitzende der Österreichischen Plattform für Alleinerziehende (ÖPA). Wir haben das Gefühl, vergessen worden zu sein. Hier muss rasch nachgebessert werden.“ Denn die Alleinerziehenden gehören mit 44 % zu einer der Gruppen in Österreich, die am stärksten von Armut bedroht sind. „Wir wollen in unserer Erziehungsleistung wertgeschätzt werden. 156.000 Kinder unter 15 Jahren werden in Österreich von Alleinerziehenden betreut – wir sind auch Familie.“ so Martin.

Seit vergangener Woche können Familien um Unterstützung aus dem Familienhärtefonds ansuchen, wenn sie in Folge von Corona in finanzielle Notlage geraten sind. „Es ist uns ein Anliegen, Familien, die durch die Corona-Krise unverschuldet in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind, bestmöglich in dieser schweren Zeit zu unterstützen.“ ist auf der Seite des Familienministeriums dazu zu lesen. Dass die Ärmsten darunter, wie BezieherInnen von Sozialhilfe oder Mindestsicherung, dabei nicht berücksichtigt werden sollen, wurde bereits vielfach kritisiert. u.a. von Arbeiterkammer und Armutskonferenz.

Alleinerziehende als Familie treffsicher unterstützen
„Dieser Kritik und ihren Forderungen schließen wir uns zu 100% an,“ meint Evelyn Martin und präzisiert: „Was uns aber besonders weh tut, ist, dass der Corona-Familienhärtefonds von der traditionellen Vater-Mutter-Kind-Mittelstandsfamilie ausgeht und die oft harte Lebensrealität der großen Gruppe der Alleinerziehenden und ihrer Kinder außer Acht lässt.“ Eine Realität, die vielfach geprägt ist von mehreren, oft prekären Arbeitsverhältnissen, von geringfügiger Selbstständigkeit zur Aufbesserung des monatlichen Budgets, von Beihilfen, von Aufstockung mit Hilfe der Mindestsicherung, weil die Erwerbsarbeit zu wenig einbringt (Working Poor), von einer hohen Abhängigkeit von den Unterhaltszahlungen des anderen Elternteils – in Summe von einer Vielzahl an Kleinbeträgen, deren Wegfall jedes einzelnen sofort existenzbedrohend wirkt.

Tatsächlich sind aber die Kriterien, nach denen Auszahlungen aus dem Familienhärtefonds erfolgen, auf die traditionelle Vater-Mutter-Kind-Mittelstandsfamilie zugeschnitten. Denn nicht antragsberechtigt sind:
    MindestsicherungsbezieherInnen
    BezieherInnen von Sozialhilfen, egal welcher (also z.B. Mietzinsbeihilfe, Studienbeihilfen)
    alle Einkommensverluste aus geringfügigen Einkommen
    alle Selbstständigen, die keine Unterstützung aus dem Härtefallfonds der WKO erhalten
    alle Elternteile, denen die Unterhaltszahlungen des anderen Elternteils gänzlich oder zum Teil ausfallen, weil der andere Job oder Einkommen wegen Corona verloren hat
    alle Elternteile, die ein Doppelresidenzmodell leben, aber keine Familienbeihilfe beziehen

 

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