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Presseaussendung vom 01.03.2016

Kürzungen bei Mindestsicherung erhöhen Frauen- und Kinderarmut

Die Österreichische Plattform für Alleinerziehende (ÖPA) fordert eine seriöse Debatte  über Mindestsicherung und Armutsbekämpfung


Wien, 29. Februar 2016 – „Es ist obszön, Frauen und Familien Sozialschmarotzertum vorzuwerfen, wenn die Regierung selbst nicht die Voraussetzungen schafft, dass es Frauen überhaupt möglich ist, arbeiten zu gehen und sie von dieser Arbeit auch leben können“, ärgert sich Gabriele Fischer – Vorsitzende der ÖPA. „Reden wir lieber über höhere Löhne, Abschaffung des Gender Pay Gap und verbesserte Kinderbetreuung.“ So lange keine gute und zeitlich flexible Ganztagsbetreuung für Kinder ab dem 1. Lebensjahr in allen Teilen Österreichs zur Verfügung steht, sind Familien und vor allem Alleinerziehende auf Mindestsicherung und Teilzeitjobs angewiesen. Diese Jobs sind meist schlecht bezahlt. Vollzeitjobs werden in vielen Bereichen gar nicht mehr angeboten. 16% der MindestsicherungsbezieherInnen sind Alleinerziehende und deren Kinder, obwohl sie eine hohe Teilhabe an der Erwerbsarbeit aufweisen. 46,6% aller Frauen arbeiten in Teilzeitjobs, viele davon sind Alleinerziehende. Einige dieser Frauen und/oder Alleinerziehenden beziehen Mindestsicherung. Sie leiden mit am stärksten unter Einsparungen.



Armutsbekämpfung statt Kürzungen
„Wir fordern eine seriöse Debatte über Armutsbekämpfung anstatt über Kürzungen“, stellt Gabriele Fischer – Vorstand der ÖPA klar. „Kürzungen bei der Mindestsicherung führen zu mehr Armut gerade von Frauen und Kindern. Wenn Menschen so arm sind, dass sie die grundlegendsten Kosten ihres Lebens nicht mehr bezahlen können, sind häufig Obdachlosigkeit, Hunger und Perspektivenlosigkeit die Folge. Die betreute Unterbringung von Familien in staatlichen Einrichtungen ist um ein Vielfaches kostspieliger als die Mindestsicherung.“ 16% der MindestsicherungsbezieherInnen sind Alleinerziehende und deren Kinder. In Zahlen: 25.012 Alleinerziehende und 29.203 Kinder, die schon jetzt unterhalb der Armutsgrenze leben. Fehlende Kinderbetreuung, zu geringe Einkommen und Teilzeitjobs (46,6% aller Frauen) bringen Mütter und vor allem Alleinerziehende in prekäre Situationen und Armut. Kürzungen treffen in hohem Maße Alleinerziehende, Familien mit Kindern und Großfamilien, welche die Mindestsicherung als Überbrückungshilfe und zum Erhalt ihrer Familie nutzen.

Kürzungen bei der Mindestsicherung treffen zu einem großen Teil Kinder
„Wer wird sich um Familien und Kinder kümmern, die aufgrund von Armut auf der Straße stehen?“, fragt die Vorsitzende der ÖPA. Kürzungen an der Mindestsicherung treffen in 26% der Fälle Kinder. „Schon jetzt beziehen 129.080 Kinder Mindestsicherung und leben unter der Armutsgrenze. Kinder, die von Kürzungen besonders betroffen wären“, so Gabriele Fischer. 408.000 Kinder sind in Österreich von Armut betroffen. Ihnen wird schon heute eine Zukunft außerhalb der Armut erschwert. Kinder haben keinen eigenen Rechtsanspruch auf Mindestsicherung. Sie gelten als von der Armut der Eltern mitbetroffen.

Servicekasten
Ein-Eltern-Familien sind die mit 34% Armutsgefährdungsquote die am häufigsten von Armut betroffene Gruppe in Österreich. Im Jahr 2014 gab es 173.300 Ein-Eltern-Haushalte mit erhaltenen Kindern unter 25 Jahren, davon: 153.600 Mütter und 19.700 Väter bzw. 110.100 Alleinerziehende mit Kindern unter 15 Jahren (Statistik Austria, 2014).
Kinderarmut: 408.000 Kinder bis 19 Jahre sind in Österreich von Armut oder Ausgrenzung betroffen. 30% davon leben in Ein-Eltern-Haushalten. (EU-SILC 2014).
16% der MindestsicherungsbezieherInnen sind Alleinerziehende und deren Kinder. 26% der MindestsicherungsbezieherInnen sind Kinder selbst. 39% sind Frauen. Durchschnittliche Dauer des Mindestsicherungsbezugs beträgt zwischen 6 und 9 Monaten, bei 20% der Haushalte unter 3 Monate. (BMS-Statistik Austria, 2014)
46,6% aller Frauen in erwerbsfähigem Alter gehen einer Teilzeitbeschäftigung nach. (Statistik Austria, 2014)

Zur Organisation
Die Österreichische Plattform für Alleinerziehende ( ÖPA ) setzt sich seit über 25 Jahren als unabhängige Interessenvertretung bundesweit auf politischer und gesellschaftlicher Ebene für Ein-Eltern-Familien ein. Die ÖPA ist Mitglied im Familienpolitischen Beirat des Bundesministeriums für Familie und Jugend und Gründungsmitglied von European Network of Single Parent Families (ENoS).

Kontakt


Jana Zuckerhut DSA
Projektmanagement
Mobil+43 650 622 36 06
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Österreichische Plattform
für Alleinerziehende
Türkenstraße 3/ 3. Stock
1090 Wien
Tel.:  +43 1/890 3 890
www.oepa.or.at

Die ÖPA ist Mitglied im Familienpolitischen Beirat des Bundesministeriums für Familie und Jugend und Gründungsmitglied von European Network of Single Parent Families (ENoS).

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